Plattdeutsche Redensarten
Die plattdeutsche Sprache ist
reichhaltig an bildhaftem Ausdruck, Sprichwörtern und Redensarten wie man an
folgenden Beispielen unschwer erkennen kann:
He knipp de Katte in´n Düüstern.
(Er hat heimlich eine Freundin, von der niemand etwas wissen soll.)
Em heff de Buck stott.
(Er ist angetrunken.)
He heff de Biiters drupp.
(Andere wollen ihm sein Mädchen streitig machen.)
Nu gäät he schliipstäärts (mit hängedem
Schwanz) aff.
(Er ist beleidigt.)
He is heele uut de Plünnen fallen.
(Er ist sehr mager geworden.)
He is so kaolt es ´ne Pogge.
(Er macht sich nichts aus Mädchen.)
He möök Aogen es´n gestocken Kalf.
Eenen fuulen Appel stickt hunnert
annere an.
Ich will et em es an´n Bass seggen!
(Ich werde ihm die Meinung sagen.)
Nu stinkt de Buck!
(Jetzt ist die Misere da!)
Et is better, waor de Esel uutkummp
es waor he in sitten bliff.
(Antwort, wenn jemand wegen seiner graune Haare verspottet wird.)
He is mit de breeden Biile behauen.
(Er hat einen unschönen Charakter, ist egoistisch, hat eine grobe Art.)
He is hattbecks (hat ein hartes Maul)
es´n Päärt.
(Er ist schwer zu verändern, störrisch.)
Em gäät dat Hatte es´n Lämmerstäärt.
(Er hat Angst.)
He heff fanmaorgen dat Hemt ferkäärt
fäör´n Ääs kreegen.
(Er ist schlechter Laune.)
Watt sech de Esel, wenn he in de Mölle kummp?
(Sagt man zu jemanden, der beim Eintreten nicht grüßt.)
Man kann em dat Efangelium däör de
Backen blaosen.
(Er ist mager).
Fan fäörn fiks, fan achtern niks.
Se willt de Backebäärn (die
gebackenen Birnen) to haope schmiiten.
(Sie wollen heiraten.)
He ballert mit de Lippen es´n Päärt.
(Er redet wüst drauflos.)
He will dwess mit denn Balken in´t Huus.
(Er will unbedingt seine Meinung durchsetzen.)
Doar will de Aolske Boas spellen.
(Die alte Bäuerin will es dort zu sagen haben.)
De is so bange es ´ne Baone in´n
Pott.
Kinner un Besoppene segget de Waorhäät.
Dat is´n aolt Scheesken!
(Schimpfwort für eine unbeliebte Frau)
Nu is de Schiite an´t Dampen!
(Jetzt haben wir den Schaden!)
En Kalf wätt ock mit sööte Melk faort.
(Will man jemanden an sich binden oder erwartet man von jemanden einen Gefallen,
beschenkt man ihn.)
Se hockt nich blaos in eenen Pott.
(Sie hat mehrere Freier.)
He kummp an´n Kattendiss.
(Er wird nicht mehr mitgerechnet.)
Kattenköddel (... Kattendreck) kaans
ock in Düüstern ruuken.
(Lügen und schmeichelndes Gerede kann man bald merken.)
He schmitt sick in de Boss (Brust),
es dat Schwiin in de Schiite.
Em is de Kaore fäör´n Ääs schoowen.
(Er kann nicht anders, er ist gezwungen, eine Sache zu tun.)
Se hebt em dat Braot fan ´ne Muule wechnommen.
(Er hat sich einen Vorteil wegnehmen lassen.)
Ick
segge di: Bücksken stäägere di!
(Stäägern: die Beine hochwerfen; übertragen: Streng dich an!)
Bücksken stäägere di, maorgen is Köddeldach.
(Sagt man zu einem, der arbeiten soll.)
He bekeek sick fan binnen.
(Er schlief.)
Waor de Häärgott ´ne Kaike baut,
daor baut de Düüwel ´ne Kapelle.
(Neben jeder Kirche steht ein Wirtshaus.)
Se hebbt em dat Füürken uutpisst
(... uutmaakt)
(Man hat ihm sein Vorhaben verdorben).
In Fuusel fersuupt määr Mensken es
in´t Waater.
Kaolt Waater, kaolt Waater, miin Ääs
is ferbraant!
(Ich habe mich blamiert!)
Denn hebbt se in´n Ferstantskasten schetten.
(Er ist eingebildet.)
Se
hebbt et in de Fissen.
(Fissen hießen früher die Schlingen an den Leinenlaken, durch die
kleine Pflöcke zum Bleichen geschlagen wurden ; übertragen : Sie
wollen heiraten.)
Siine Unnertaanen bint ´n lück
krumm gerott.
(Er hat krumme Beine.)
Dat giff Upschlach in´t Linnen.
(Es sind Schläge zu erwarten.)
Dat wisket denn Könnich dat Muul aff.
(Es hat großartig geschmeckt.)
Dat Wiif will mi up´n Kopp spüttern.
(Sie will mich beherrschen.)
Dat is ´nen aolen Kniipstäärt
(Geizkragen).
He is so klook es´n Schiitossen in´n
Brook
(Er ist eingebildet.)
Diese Beispiele stammen aus dem Buch
„Plattdeutsche Sprichwörter, Redensarten und Bauernregeln aus dem Emsland“
von B. Garmann und H. Taubken. Dort sind 4.418 Begriffe und Redensarten
festgehalten.