Hochtiet
In der Woche vor der
Hochzeit wurde der Hochtietsnöger ausgesandt, ein Sohn oder ein Knecht
des Hauses oder auch der Heuermann oder der Nachbar. Die Braut muss Hut, Stock
und Fahrrad schmücken. Vom Hute flattern lange, bunte Seitenbänder. Zur Ausrüstung
gehört ebenso die volle Schnapsflasche. Nach strenger Vorschrift wird die
Einladung in Form eines Reimes vorgetragen:
Hier
komme ich anschreiten! Hätte ich ein Pferdchen, so könnte ich reiten. Aber ich
habe mein Pferdchen zu Hause lassen stehen, darum muss ich den Weg zu Fuße
gehen.
Guten
Tag!
Hierin
setze ich meinen Stab und darauf hänge ich meinen Hut, und ihr bekommt alle
frohen Mut.
Ich
habe nicht viel studieren können, weil die Mädchen mir keine Zeit dazu haben gönnen.
So habe ich beinahe das Studieren ganz vergessen und habe bei den Mädchen in
der Kammer gesessen.
Doch
an etwas habe ich noch gedacht, darauf gebet alle acht und höret nun in aller
Still, den Gruß, den ich Euch verkünden will. Ich bin hier gesandt von dem Bräutigam
N.N. und dessen Braut N.N.,
welche
wollen Hochzeit halten. Es werden geladen Herr und Frau, Söhne und Töchter,
alte Leute und kleine Kinder, die sind bei uns fürwahr nicht minder; denn der
Ehestand ist ein von Gott geweihter Stand und gibt sich des Herzen Unterpfand.
Hochzeit feiern ist kein Übel, es steht geschrieben in der Bibel, ist geschehn
vor mehr als tausend Jahr, da die Hochzeit zu Kanaan war. Da verwandelte Jesus
Wasser in Wein, welches aber bei uns nicht kann sein. Dieses sind nur lauter
Wunder und Zeichen, damit wollen wir unseres vergleichen.
Nun
meine Lieben, stellet Euch ein, am .... ..........den
.......................soll die Hochzeit sein. Des Morgens gehn wir zur Kirche
und bitten den lieben Herrgott, dass es ihnen gut gehn möge im Ehestande. Wenn
das Gebet zu Ende wird sein, kehren wir in das Hochzeitshaus hinein. Gegen
Mittag gehen wir alle heraus und holen den Bräutigam und die Braut ins
Hochzeitshaus. Wer Löffel und Gabel bei sich steckt, der kann essen was ihm
schmeckt. Dann werdet Ihr finden von Mastvieh
und Rinderfett ein Stück von einem fetten Bullen ein Stück von ein fetten
Lobben ein Stück von einer grauen Kuh. Da trinken wir Bier und Branntwein dazu.
Gänse und Hühner können wir nicht fangen, aber an Schweinebraten wird es uns
nicht mangeln. Hasen und Kaninchen laufen im Feld, können wir sie fangen, das
ist mein Verlangen, können wir dazu geraten, so wollen wir sie braten.
Eine
lange Pfeife und Kanastertabak, das kann einer nicht haben nach seinem Gemach;
aber Kaffee, Tee und Zucker dabei, das kann ein jeder haben nach seinem Belieben
frei.
Zu
Köln am Rhein, da gibt es Musikanten, groß und klein. Ich hoffe, daß die
nicht bleiben aus, damit wir ein schönes Pläsier haben im Hochzeitshaus. Dann
wollen wir tanzen und singen, dass die Scheiben erklingen.
Ach
hätte ich doch etwas studiert, so würde mein geringes Kompliment auch besser
absolviert. Doch die Zeit wurde mir zu klein, deshalb muss mein Kompliment zu
Ende sein.
Nun,
meine Lieben, macht Euch alle recht hübsch, aber nicht all zu fein und lasset
Bräutigam und Braut am schönsten sein. -
Jetzt
fällt mir noch was ein: mein Pferdchen will auch gern gefüttert sein; aber
nicht mit Stroh oder Haferkaff sondern vielleicht fällt etwas anderes ab. Ist
es auch rot oder ist es auch witt, mein Pferdchen nimmt heute alles mit.
(Wird
einer aus einem Hause geladen, dann heißt es am Schluss:)
“Meine
Lieben! Es sind hier nicht alle gemeint, - nur Herr oder Fräulein N.N. soll
hiermit geladen sein.”
Der Hochtietsnöger
bekommt ein Stück Trinkgeld, und seine Flasche wird aufgefüllt.
Einige Tage vor der
Hochzeit ist Klendebesicht, an der gute Freundinnen und die Nachbarn
teilnehmen, um die Aussteuer zu besichtigen. Für ein kleines Geschenk wird
ihnen durch ein Abschiedsköppchen gedankt.
Am Sonntag vor der
Hochzeit bringen Knechte und Mägde oder auch Söhne und Töchter der Nachbarn
und der Verwandten einen stattlichen Schinken und Butter, oft in der Form einer
Glucke mit Küchlein, ins Hochzeitshaus.
Am Tage vor der Hochzeit
wird die Braut von den Nachbarn feierlich eingeholt. Die Nachbarn haben Kutsche
und Pferde bunt bekränzt und sich mit dem nötigen Schnaps versehen. Es wurden
Dreschflegel, Feuerstübchen, Spinnrad und Reiserbeseen mitgebracht.. Unterwegs
wird dem Brautwagen oft von Bekannten der Weg versperrt und dem Brautpaar
gratuliert.
Dienstag war gewöhnlich
der Ehrentag der Brautleute. Der Weg zur Kirche ist genau vorgeschrieben; es ist
derselbe, den auch der Leichenwagen zu nehmen hat. Ist der Hochzeitstag durch
schönes Wetter ausgezeichnet, so hat die Braut die Katzen gut gefüttert
(Katzen waren der Freya geweiht; sie zogen den Wagen dieser Göttin an Strängen
von blühendem Flachs). Nach der Trauung werden die Brautleute mit Musik von den
Hochzeitsgästen abgeholt und treten dann durch die große Tür ins
Hochzeitshaus ein. Die Großmagd heißt das Paar in einem Ehrenspruch willkommen
und reicht ihm einen Trunk in rotbeschleiften Gläsern. Dann führen die Mutter
die Schwiegertochter und der Vater den Sohn am Arme ins neue Heim, während die
Musik passende Weisen spielt.
Das Hochzeitsmahl folgt
dann auf der großen Diele, die mit Grün und Girlanden festlich geschmückt
ist. Oben am Tisch nimmt das Brautpaar Platz, alle Gäste sind nach Würde und
Rang geordnet. Gekochter Schinken, graue Erbsen und Reis gehören auf die
Hochzeitstafel. Beim Mahl halten die Nachbarn ihren Umzug um den Tisch, wobei
sie Schinkenknochen, einen verbrauchten Besen (Beckenwief) und Dreschflegel
tragen, während zwei die frohe Schar begleiten und mit Topfdeckeln gehörig
klappern und lärmen. Die Köchin bittet unterdessen um eine Gabe; oft folgen
noch mehrere Opfergänge, bei denen stets die Musik spielt.
Nach einer Pause wird
die Tenne aufgeräumt, und es beginnt der Tanz, zuerst der Brauttanz. Am späten
Abend setzen die Frauen der Braut die Haube auf mit dem Ruf: „Komm´ in
unseren Bund!“ Aber die Jungfrauen erheben Widerspruch, ein Kampf zwischen den
Parteien beginnt, wobei schließlich die Siegerinnen doch die Frauen sind.
Mit der Verheiratung übernahm
der junge Bauer gewöhnlich die Führung des Hofes. Ein Nachbar hängte ihm am
Hochzeitstage als Zeichen seines neuen Amtes eine Säwanne um. Dabei wurde ein
scherzhafter Spruch aufgesagt. Dann schritt der Bräutigam über die große
Diele und warf säend Häcksel zwischen die an den Seiten stehenden Hochzeitsgäste.